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PC vom Müll zum HTPC flott gemacht
#1
Ich habe vor ein paar Wochen einen alten Fertig-PC von Asus in die Griffel bekommen - bei einer Firma (mit mehreren baugleichen Kisten) auf den Schrott gestellt bzw. an die Mitarbeiter verschenkt.

Erstmal wusst ich natürlich selber nicht, was ich damit anstellen soll, aber irgendwas ergibt sich ja meistens. Erstmal die groben technischen Daten:
CPU: Intel Core2 Duo E6300 (2x 1.86 GHz)
MB: Funktional hochgradig eingeschränktes OEM-Gebastel von Asus
GPU: Intel GMA 950 (mit DVI)
RAM: 1GB DDR2
HDD: 160GB Seagate (über den einzigen SATA-Port angeschlossen)
DVD: Samsung-Brenner (IDE)
Sonstiges: GBit-Ethernet, Optischer Ausgang/TOSLINK, Kartenleser der weder unter Windows, noch unter Linux erkannt wird und für den es keine Treiber gibt.

Viel mehr hat die Kiste dann auch nicht, das Gehäuse ist praktisch, relativ klein (s. Bilder weiter unten). Dementsprechend kuschelig haben es die Komponenten aber auch. Wäre es nicht "immerhin" ein Core2, hätte ich gar nicht viel Zeit mit verschwendet, auch die angenehme Größe hat dem Teil vllt. eine längere Verweildauer in meinem Hause sichern können. Big Grin

   
(Momentaufnahme beim halbfertigen Umbau)

Beim ersten Einschalten wird klar, dass der Rechner so nicht nutzbar ist - CPU- und PSU-Lüfter kommen aus der Kreissägenabteilung. Bevor aber irgendwas gerettet wird ein Praxistest - da DVI, GBit und Optisch vorhanden, kam mir zuerst die Idee einen HTPC draus zu bauen. Also OpenELEC auf einen Stick installiert und an den TV gehängt, die Große Frage war: macht die GPU Anno 2006 überhaupt flüssiges 1080p mit? Oder darf die CPU rendern?

Ergebnis: Flüssige Pixelparade - die GPU scheint es der Prozessorauslastung nach zu urteilen mitzumachen. Wunderbar… ah… hm… CPU-Temperatur 96°C? (GPU-Temp. ist immer spannenderweise genau mit der CPU-Temp. synchron - meines Wissens nach ist Core2 aber noch ohne integrierte GPU gefahren, vermutlich ein Spaß des hochwertigen Mainboards). Der Kühlkörper der CPU war allerdings kühl, auch bei gestopptem Lüfter. Da stimmt also irgendwas so gar nicht. Ausschalten und ein bisschen am Lüfter gewackelt - ok, der ganze Kühlkörper ist nicht fest aufgeschraubt. Abgenommen und siehe da - der hat höchstens ein bisschen an der WLP gekratzt. Wie die Kiste 10 Jahre gewerkelt hat ohne Abzurauchen ist mir bis jetzt nicht klar, aber nungut. Wer das Teil so "befestigt" hat wird wohl auch auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Erstmal die angebackene WLP mit Alkohol entfernen (Prost!) und Kühler mit neuer WLP richtig anbringen - Temperaturen nach 30 Minuten unter Last bei 50°C - passt.

Krass laut ist der Lüfter trotzdem, also erstmal ein Gang in den Keller wagen und was leiseres suchen. Trotz defektem Licht findet sich ein 80mm Lüfter von Cooler Master, ehemals aus meinem eigentlichen HTPC-Gehäuse, lautstärketechnisch bei 12V für HTPCs relativ unbrauchbar. Aber der Asus scheint permanent nur um die 7V für den CPU Kühler abzugeben, da ist der Lüfter ziemlich unhörbar. Zumindest im Vergleich zum Netzteil.

CPU-seitig also erstmal alles gebongt. Wie gehts weiter?
Der durchgenudelte Seagate Datenschredder fliegt gleich raus, eine HDD braucht man im HTPC sowieso nicht. Am liebsten würde ich ja von USB booten, aber intern hat der PC scheinbar keine USB-Stiftleiste, die USB-Ports für Front- und Rückseite sind direkt aufgelötet.
Erst beim kompletten Auseinanderbauen findet sich ein einsamer einzelner USB-Port auf dem Mainboard. Ein Geschenk eines gnädigen Mainboard-Designers. Einen Adapter von intern USB auf normalen USB-A findet sich noch in einer Krempelkiste, 1GB USB-Sticks liegen hier ebenso noch diverse rum. Mehr braucht OpenELEC nicht.

Da mir so ein einzelner interner USB-Port allerdings noch nie untergekommen ist, ich keine Ahnung habe warum das OEM-MoBo einen Port aufgelötet haben sollte - immerhin hat das Gehäuse keine Möglichkeit den Port rauszuführen - und ich keinen USB-Stick aufgrund ulkiger Launen von Asusentwicklern verbraten will (vllt. ist es doch ein Serviceport?), habe ich dann doch erstmal die Spannung/Pinbelegung gemessen, dafür gibt's ja zerschnibbelte USB-Kabel. Zum Glück keine bösen Überraschungen - der Port funzt wie erhofft. Der Adapter steht auf einer Seite nun eben über, einer der zwei Ports ist nicht benutzbar, mehr als einen benötige ich aber sowieso nicht.
   


Rumhantieren am offenen Gehäuse habe ich mir allerdings mehrere male fast die Pfoten verbrannt, nämlich am Northbridge Kühlkörper. Das Infrarotthermometer bestätigt mein Aua mit etwa 100°C. Gefällt mir gar nicht, sowas.
Nach vielem rumprobieren mit alten Kühlkörpern die man nicht an die komischen Halteringe montiert bekommt, entscheide ich mich schweren Herzens dafür einen weiteren Lüfter einzubauen. Also nochmal Keller. Diesmal ist aber ein winziger Lüfter gesucht, der auch auf den Kühlkörper passt. Es findet sich tatsächlich was – leider toppt der Lüfter den Plagegeist im Netzteil sogar noch, der Sound erinnert an Zahnarzt. Die Kabel sind natürlich auch fest im Molex-Adapter verlötet. Das einzig schöne an den blöden Molex-Steckern ist aber, dass man mit einer Pinzette die Pins rausziehen und umsortieren kann. (Auf der anderen Seite des Adapter sollte man dann aber nichts mehr anschließen!) So kann ich die beiden Pins an dem der Lüfter hängt von den 12V auf die 5V Leitung legen – und tadaaaa! der Lüfter läuft nicht mehr an. Stattdessen gibts aber noch die 7V Potentialdifferenz zwischen der 5V und der 12V Leitung. Damit läuft der Lüfter auch, und das sogar leise. Mit halbwegs passenden Schrauben und etwas Gewalt wird der Lüfter auf den Kühlkörper gezwungen und die Temperatur liegt bei "nur noch" 60°C. Schon besser.
   
   

Das letzte Sorgenkind habe ich lange genug vor mir hergeschoben. Mit dem Netzteil wirds nix mit HTPC. Bis vor einer kurzen Google-Suche dachte ich, ich könnte einfach ein anderes Netzteil einbauen. Hab das Dingen für irgendsoein µATX Netzteil oder ähnliches gehalten. Aber leider hat Asus hier sein eigenes Süppchen gekoch und ein Netzteil nach eigener Norm verbaut. Man bekommt höchstens das gleiche Netzteil nochmal. Also wirds jetzt richtig lustig, wenns wirklich zum Filme schauen taugen soll, muss ich den Lüfter im bisherigen NT wechseln. Natürlich 80mm x 80mm x 15mm. Also ein schmaler Lüfter, die Sorte, die es entweder in Laut oder in Langsam gibt. Genau den Typ langsam hab ich als CPU-Lüfter weiter oben verbaut, leider zu langsam um auch nur Annähernd den Luftstrom vom NT-Lüfter aufzubringen und somit nicht als Ersatzlüfter tauglich.

Von namhaften Herstellern gibt es praktisch nichts, oder besser gesagt: Wirklich nichts, in der Größe. Von außen aufsetzen geht auch nicht, da das Mainboard im Weg ist. Dann muss also ein wenig überschüssiges Material Platz machen für einen bequiet Shadow Wings-Lüfter. Der ist zumindest leise.
Ein Date mit der Eisensäge später ist das Lüftergitter verschwunden. Die Gummihalterungen des bequiets lassen sich rausnehmen, dann passt der Lüfter von innen genau in den 15mm Bereich des alten Lüfters, die restlichen 10mm schauen jetzt hinten raus und passen gerade noch vor das Mainboard. Garantie auf den Lüfter habe ich allerdings nicht mehr – etwas überschüssiges Plastik wegsägen ging schneller als die Öffnung im Blech rundum größer zu feilen.

Der interne Lüfter wurde mit einem 2-Pin Kabel angeschlossen, der bequiet hat die üblichen 3 Pins, zum Glück sind 2, 3 und 4 Pin-Lüfterkabel kompatibel, der Drehzahlpin steht einfach an der Seite über.

   
   
   

Nach einigem Gebastel tut der Rechner nun tatsächlich als HTPC, im Betrieb zieht die Kiste zwischen 45 (leerlauf) und 65 Watt (DVD).
Zeitaufwendig war die Geschichte schon - aber mit unter 10€ Ausgaben auch billig. Big Grin Unterm Strich bleibt also festzuhalten: Das meiste aus den letzten 10 Jahren Computergeschichte dürfte wohl zur Medienwiedergabe preisgünstig aufbereitbar sein.
I'm sorry, Dave. I'm afraid I can't do that.
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#2
Tolles Projekt und toll erzählt, danke für deinen Beitrag Top 

Bleibt aber die Frage: hat sich der Aufwand gelohnt? Von den Funktionen her würde es doch auch ein Raspberry tun, der kostet nen Zehner mehr und kann etwa das gleiche wenn ich mich nicht irre Confused 

Würdest du das Ganze nochmal machen?
[Bild: zaiendosig.php]
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#3
Puh äh… Big Grin So _richtig_ gelohnt hat's sich wohl nicht, ich habe jetzt eben einen billigen HTPC. Der Pi tut es prinzipiell auch, hatte ja selber einen eine ganze Weile in Benutzung (ebenfalls OpenELEC), allerdings hat der Pi nur 100MBit Ethernet, unkomprimiertes HD-Material kann man so also nicht streamen (laggt regelmäßig). Man müsste eine USB-Netzwerkkarte mit GBit einstecken, und selbst dann ist man durch USB2 bzw noch mehr durch die etwas lahme USB2-Anbindung des Pis begrenzt. Ganz zufriedenstellend war die Lösung für mich deswegen in der letzten Zeit nicht.
Ich hatte aber noch einen ehemaligen Musikrechner übrig (passiv gekühlter Intel auf Mini-ITX, 2xGBit, mit HDMI und noch etwas mehr GPU-Power und unter 30W bei Nutzung), der hat mich als HTPC absolut überzeugt, deswegen dachte ich gleich an ein Leben als HTPC für den Asus, da meine Eltern etwas in der Richtung benötigen.

Andererseits wollte ich auch mal schauen für wie wenig Geld man mit Kellerkrempel und "Wegwerf-PC" noch etwas gebaut bekommt was heute durchaus eine Daseinsberechtigung genießt. Es muss offensichtlich nicht immer alles neu sein, Rechner aus den letzten 10 Jahren sind hier und da durchaus noch brauchbar - gerade die "mittelmaß"-Kisten. Die schnellen waren damals verdammt leistungshungrig und sind deswegen teuer im Betrieb und unstillbar laut.

Schlussendlich wars einfach ein Bastelprojekt das etwas Erholung vom Uni-Alltag geboten hat. Nochmal würde ich das wohl nicht durchexerzieren - nicht beim gleichen PC-Modell, da weiß ich ja schon was gemacht werden muss und wie. Da suche ich lieber eine neue Herausforderung Big Grin
I'm sorry, Dave. I'm afraid I can't do that.
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#4
Echt klasse geschrieben! Das Ergebnis und einige Zwischenstationen kannte ich ja schon weitgehend - aber Deine Erzählweise hat mich gefesselt^^
Das 'Projekt' finde ich in Sachen Nachhaltigkeit natürlich auch gut - mit Erfindergeist was Ausrangiertes wieder gebrauchsfähig machen - Dein Beispiel hätten die Wenigsten so umgesetzt bekommen (entweder mit viel höheren Kosten oder nicht so gut).
Und - bekommt der Rechner nun bei den Eltern sein Gnadenbrot? Wink
greets
mr.tommi
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